Wasserstress entzweit Europa

Es gibt zwei Europas, eines, das noch über genügend Wasser verfügt und eines, in dem Wasser immer knapper wird. Ersteres befindet sich im Norden, wo das Klima feucht und der Regen reichlich ist. Zu Letzterem zählen die Mittelmeerländer und diese haben Durst. Was wir heute vielleicht noch als Ausnahmesituation einstufen, wird künftig Normalität sein, davon ist man im Norden wie im Süden gleichermaßen überzeugt. „Die Sicherung der Trinkwasserversorgung wird zur dringlichsten Aufgabe“, twittert beispielsweise der Verantwortliche eines Wasserversorgers in Südfrankreich.

Die Situation löst Beunruhigung aus, dies lässt sich an den zahlreichen Meldungen auf Twitter zum Thema Wasser in den letzten Wochen ablesen. Eine deutschsprachige Journalistin und Bloggerin schreibt: „Alle Wasserströme auf dem Planeten sind vernetzt, was hier ins Grundwasser, in die Flüsse kommt, kommt in alle Meere und geht um die Welt bzw. kommt von dort zu uns zurück. »

Im Süden ist die Öffentlichkeit besorgt über immer trockenere Sommer. Die fallenden Wasserreserven sind alarmierend: 7 von 10 gemessene Grundwasserspiegel in Frankreich sind zu niedrig(1); zehn Regionen Italiens stehen bereits am Rande einer Katastrophe; die spanischen Wasserreservoirs sind nur noch zu 37% gefüllt. Was, wenn uns tatsächlich eines Tages das Wasser ausgeht? Über 70% der französischen Tweets zum Thema Wasser spiegeln diese Sorge wider.

Auch im Norden ist man beunruhigt. Nicht so sehr, dass das Wasser ausgehen könnte; bis es soweit kommt, wird es noch lange dauern, trotz der heißer werdenden Sommer und immer milderen Winter. Was die Menschen alarmiert, ist die steigende Verschmutzung der Wasserreserven. In Deutschland ist ein Drittel des Grundwassers durch Nitrate verunreinigt(2). In den Niederlanden ist das Grundwasser bereits bis 15 Meter Tiefe von Verunreinigung betroffen und die Verschmutzung nimmt weiter zu (3). Hinzu kommen häufige kurze Trockenperioden, die zu einer erhöhten Salzkonzentration im IJsselmeer nördlich von Amsterdam führen. Wenn sich dieser Trend weiter fortsetzt, wird der Salzgehalt bis 2050 um 40% höher liegen als das für Trinkwasser zulässige Maximum(4). Darüber hinaus, sind in Deutschland und in den Niederlanden neun von zehn Flüsse in keinem guten ökologischen Zustand(5). Auch wird in beiden Ländern mit Sorge die anhaltende Erwärmung der Nordsee um 0,5°C pro Jahr beobachtet. Diese beunruhigende Gesamtlage schlägt sich in einer wachsenden Zahl von enttäuschten bis verängstigten Kommentaren in Twitter nieder: Mehr als ein Drittel der aus Deutschland und den Niederlanden geposteten Kurznachrichten zum Thema Wasser nehmen darauf Bezug.

Es gibt auch Lichtblicke. Doch auch im Positiven ist Europa zweigeteilt. Jeder fünfte Post in deutscher Sprache und jeder sechste auf Holländisch veröffentlichte Tweet drückt Zuversicht aus, dass Menschen diese selbstverursachten Probleme auch selbst lösen können. Bei italienisch- und französischsprachigen Tweets fällt nur jeder zwölfte optimistisch aus. Es gibt sie bereits, die Lösungsansätze, die Mut machen und einige von ihnen werden schon umgesetzt. Es geht darum, Wasser effektiv zu sparen, insbesondere durch effiziente Bewässerungsmethoden. Wie beispielsweise die aus Israel kommende Tropfbewässerung, die den Wasserbedarf um bis zu 55% senkt(6). Diese Technik wird zunehmend im Südwesten Frankreichs sowie im italienischen Piémont eingesetzt und findet bereits auf 48% der bewässerten Anbauflächen Spaniens Anwendung(7).

(1) http://www.brgm.fr/publication-presse/etat-nappes-eau-souterraine-1er-septembre-2017
(2) https://www.welt.de/politik/deutschland/article160812015/Grundwasser-in-Deutschland-durch-Nitrat-verseucht.html
(3) http://www.clo.nl/indicatoren/nl025816-inventarisatie-van-aantal-locaties-met-bodemverontreiniging
(4) https://data.overheid.nl/data/dataset/beschikbaarheid-zoet-grondwater-verzilting
(5) https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/publikation/long/3642.pdf
(6) http://www.suoloesalute.it/israele-la-soluzione-anti-siccita-lirrigazione-goccia-riduce-gli-sprechi-del-60/
(7) http://www.mapama.gob.es/gl/prensa/noticias/el-riego-localizado-alcanza-el-4823–de-la-superficie-regada-en-españa-/tcm7-312671-16