Auf der COP 23 werden die Länder zur Einhaltung ihrer Klimaschutzziele aufgefordert

Es war eines der großen Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens, das Ende 2015 geschlossen wurde. Die Weltgemeinschaft hat sich darauf verständigt, die globale Erwärmung bis 2050 auf maximal 2 Grad Celsius zu begrenzen – im Idealfall sogar auf nur 1,5 Grad Celsius. Und um dieses Ziel zu erreichen, sollten die Treibhausgas-Emissionen noch massiver als bisher reduziert werden. Jedes Land würde sich dafür eigene Ziele setzen, diese in die jeweilige Gesetzgebung einfließen lassen und die Umsetzung entsprechend sicherstellen. Das Abkommen war im Grunde die Antwort der Länder auf die Erwartungen der Menschen. Diese zeigen sich insbesondere in den sozialen Netzwerken alarmiert über den Klimawandel. Allein auf Twitter greifen 41% der Botschaften zum Klimawandel das Thema Luftverschmutzung auf. Die Absichtserklärungen des Pariser Abkommens basieren auf der Reduktion des Verbrauchs fossiler Brennstoffe wie Öl, Gas und Kohle. Sie basieren außerdem auf dem Umbau der industriellen Infrastruktur und des Transportwesens hin zu einem verstärkten Einsatz erneuerbarer Energien. Um diesen Wandel zu fördern, müssen Schadstoffemissionen besteuert und Umstellungsbemühungen finanziell unterstützt werden. Jedes Land ist schließlich mitverantwortlich, die globale Strategie national umzusetzen. Jede Regierung ist dabei der jeweiligen öffentlichen Meinung des Landes gefolgt und überall zeigt man sich sensibilisiert für nachhaltige Energien. Dies geht sogar so weit, dass Solar- und Windenergie bis zu 51% der auf Twitter im Zusammenhang mit der Energiewende zirkulierenden Botschaften ausmachen.

Zwei Jahre später sind die Ziele jedoch längst nicht überall erreicht worden. Während kleine Inselstaaten das Abkommen schnell ratifiziert, die Ziele in Gesetzesvorhaben umgesetzt und die notwendigen Maßnahmen zur Einhaltung des Abkommens getroffen haben, lassen andere Staaten auf sich warten. Die deutsche Regierung hat dieses Versäumnis im Oktober 2017 eingeräumt1. Auch Frankreich hat es versäumt, die Weichen zu stellen und stattdessen entschieden, die Laufzeiten der Kernkraftwerke nicht zu verkürzen2 und den Ausbau erneuerbarer Energien zu verzögern3. Italien muss die Zusammenschaltung seiner Elektrizitätsnetze verbessern, um die Auslastung zu optimieren4. Zahlreiche weitere europäische Länder haben ihre Klimaziele gemäß der Kommission in Brüssel formal verfehlt: Belgien, Finnland, Malta, Irland, Österreich sowie Luxemburg5.

Es sei zu aufwendig, Energiekraftwerke fristgerecht zu schließen beziehungsweise zu transformieren. In Deutschland der Braunkohleanteil an der Stromerzeugung noch immer zu hoch, und wird es auch noch einige Jahre bleiben. In der Folge steigen Treibhausgas-Emissionen derzeit wieder an, nachdem deren Anstieg zwei Jahre lang gestoppt werden konnte, wie das auf der COP 23 in Bonn veröffentlichte6 Global Carbon Project7 zeigt. Infolgedessen schlägt die Wissenschaft vermehrt Alarm entsprechend der über 15.000 Klimaforscher, die im Rahmen der Konferenz zu konsequenterem Handeln aufrufen.

Sicher, die Emissionen der meisten Länder sinken oder stabilisieren sich zumindest. Dennoch werden mit dem gegenwärtigen Trend die Klimaziele nicht nur weit verfehlt, sie scheinen immer weniger erreichbar zu sein. Das bloße Eingestehen des Scheiterns der einzelnen Länder bringt zudem das große Ganze in Gefahr. Nämlich, die CO2-Emissionen bis 20509 gegenüber 2005 weltweit um 52% zu reduzieren und damit die globale Erwärmung auf etwa 2 Grad zu begrenzen. Angesichts dessen, was mehr und mehr nach einem Versagen der öffentlichen Behörden aussieht, ihre Verpflichtungen einzuhalten, haben die Menschen heute umso mehr Gründe, sich um die Zukunft des Planeten zu sorgen.

(1) http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/klimawandel-deutschland-hinkt-seinem-klimaziel-hinterher-1.3702329
(2) http://www.europe1.fr/politique/electricite-difficile-dabaisser-la-part-du-nucleaire-a-50-en-2025-3485969
(3) https://www.ft.com/content/132f512a-c89f-11e7-ab18-7a9fb7d6163e
(4) http://www.ansa.it/europa/notizie/rubriche/altrenews/2017/02/01/clima-ue-target-2020-a-portata-di-mano-bene-litalia_b9cd46b8-8fe6-47d0-b1b5-731049b5e403.html
(5) http://www.lesoir.be/123162/article/2017-11-07/cop23-la-belgique-devrait-manquer-ses-objectifs-climatiques-pour-2020
(6) http://www.globalcarbonproject.org/carbonbudget/17/files/UK_UEA_GCPBudget2017.pdf
(7) http://www.globalcarbonatlas.org/en/CO2-emissions
(8) https://academic.oup.com/bioscience/article/4605229
(9) https://www.oecd.org/env/39762914.pdf