Klimaschutz geht uns alle an!

Ein Appell, wie er deutlicher kaum sein könnte: „Der Wandel hin zur Nachhaltigkeit findet auf vielfältige Weise statt und bedarf nach wie vor dem Druck der Öffentlichkeit, fundierten Aufklärungskampagnen, politischer Führung sowie eines soliden Verständnisses von politischen Instrumenten, Märkten und anderen Faktoren“, dies schrieben 15.000 Wissenschaftler in ihrem offenen Brief als ‚Warnung an die Menschheit’. In ihrem weltweiten Appell rufen sie dazu auf, auf der COP 23 im November 2017 in Bonn, die Klimaschutzmaßnahmen zu stärken1. Mit anderen Worten, angesichts des Mangels an Maßnahmen seitens der Regierungen, müssen Menschen und Wirtschaft die Initiative ergreifen, um die Treibhausgas-Emission zu reduzieren.

Die Regierungen haben gezeigt, dass sie nicht in der Lage sind, die selbstgesteckten Ziele zu erreichen. Die Europäische Kommission hat bei nicht weniger als sieben EU-Mitgliedsstaaten ein Zurückliegen hinter dem Zeitplan festgestellt, darunter Belgien und Finnland2. Andere EU-Mitglieder, darunter auch Deutschland3, mussten eingestehen, dass sie den Plan zur Reduktion von Emissionen bislang nicht erfüllt haben. Wieder andere, beispielsweise Frankreich4 und Italien, haben es nicht geschafft, ihre Produktionsinfrastruktur schnell genug auf erneuerbare Energien umzustellen5 ganz zu schweigen von der Entscheidung der US-Regierung, sich aus dem Pariser Abkommen zurückzuziehen6, was zu einer offiziellen Nicht-Teilnahme der Vereinigten Staaten ab 2020 führen wird.

Die öffentliche Meinung ist sehr sensibel für die wachsende Kluft zwischen Versprechen und Einhaltung. „Es gibt eine katastrophale Diskrepanz zwischen den Emissionsreduktions-Versprechen und dem, was notwendig wäre, um unter 2°C zu bleiben!“7, so ein französischer Parlamentarier auf Twitter. Die Mehrheit der Twitter-Botschaften spiegelt Besorgnis wider um den offensichtlichen Mangel an Maßnahmen und den sichtbaren Folgen: sich häufende Wetterextreme, die Erwärmung der Meere, das Abschmelzen der Gletscher, etc. „Die Konzentration von #Kohlendioxid hat im vergangenen Jahr einen neuen Rekordwert erreicht. Darum #Kohleaustieg!”8, fordert ein Grüner Lokalpolitiker aus der Nähe von München auf seinem Twitter-Profil.

Während die Internet-Nutzer noch auf entschlossenes Handeln seitens der Behörden warten, skizzieren sie bereits ihre eigenen Visionen künftiger Energiegewinnung. Sonnenergie steht dabei ganz oben auf der Liste, wenn es um vielversprechende Ideen für die Zukunft geht, und ist in 43% der Twitter-Botschaften über erneuerbare Energien Thema; gefolgt von Windenergie mit 26%. Die Begeisterung fußt zu großem Teil auf dem stetigen Fortschritt sauberer Energien. Die Gesamtproduktion von Strom aus erneuerbaren Energiequellen stieg im Jahr 2015 um 3,5% und summiert sich auf mehr als 5512 Terrawattstunden9. Dies entspricht dem zehnfachen jährlichen Gesamtstromverbrauch Deutschlands10 oder dem elffachen Frankreichs11.

Mit Hinblick darauf, dass sich viele Staaten eher langsam bewegen und einige Unternehmen sich zögerlich beim Annehmen neuer Technologien zeigen, hat sich die Zivilgesellschaft selbst organisiert. Die Prinzipien für gesellschaftlich verantwortungsbewusste Kapitalanlagen, also ‚Socially Responsible Investment’ (SRI), wurden eingeführt, um Wirtschaftsakteure zu ermutigen, nachhaltige Entwicklung in ihre Strategien zu integrieren. Dazu gehört natürlich auch, den Einsatz von Brennstoffen, die Treibhausgase erzeugen, zu reduzieren und durch erneuerbare Energien zu ersetzen. Diese Prinzipien des Investierens erhalten allerdings noch nicht viel Aufmerksamkeit in den sozialen Netzwerken. Sie werden nur in 0,5% der Twitter-Botschaften zum Thema Klimawandel erwähnt, was immer noch ein sehr geringer Wert ist.

Indessen legen SRI-Fonds deutlich zu: um +5,7% in Europa, was als derzeit größter Markt für SRI-Anlagen gilt; weltweit sogar um +11,9. Der Zeitraum liegt hierbei jeweils von 2014 bis 2016. Das weltweite Volumen überschreitet inzwischen unglaubliche 22.000 Milliarden US-Dollar12. Während die Investitionsvolumina weiter steigen, dringt das Thema auch immer weiter ins Bewusstsein der Öffentlichkeit.

(1) https://academic.oup.com/bioscience/article/4605229
(2) http://www.lesoir.be/123162/article/2017-11-07/cop23-la-belgique-devrait-manquer-ses-objectifs-climatiques-pour-2020
(3) http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/klimawandel-deutschland-hinkt-seinem-klimaziel-hinterher-1.3702329
(4) https://www.ft.com/content/132f512a-c89f-11e7-ab18-7a9fb7d6163e
(5) http://www.ansa.it/europa/notizie/rubriche/altrenews/2017/02/01/clima-ue-target-2020-a-portata-di-mano-bene-litalia_b9cd46b8-8fe6-47d0-b1b5-731049b5e403.html
(6) https://www.whitehouse.gov/the-press-office/2017/06/01/statement-president-trump-paris-climate-accord
(7) https://twitter.com/M_Orphelin/statuses/925342562000560129
(8) https://twitter.com/joerg_spengler/statuses/925012418362773505
(9) http://www.irena.org/-/media/Files/IRENA/Agency/Publication/2017/Jul/IRENA_Renewable_energy_highlights_July_2017.pdf?la=en&hash=011BFA5D92B82E343C53687DE31C3F2AF266B436
(10) https://de.statista.com/statistik/daten/studie/164149/umfrage/netto-stromverbrauch-in-deutschland-seit-1999/
(11) http://www.rte-france.com/fr/article/bilans-electriques-nationaux
(12) http://www.gsi-alliance.org/wp-content/uploads/2017/03/GSIR_Review2016.F.pdf